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Total War: Shogun 2 (Taktik & Strategie) – Total War: Shogun 2

Das Zeitalter des Krieges wartet auf clevere Feldherren: Wer kann das alte Japan mit seinem Clan unterwerfen? Wer kann auf dem Weg dorthin nicht nur Schlachten gewinnen, sondern auch die Balance zwischen Bushido und Chi meistern? Elf Jahre nach dem Debüt der fernöstlichen Strategie entführt Creative Assembly erneut in die Welt der eleganten Geishas und stolzen Samurai. Und die Briten haben einige Überraschungen parat.

© Creative Assembly / Sega

Die Qual der Clanwahl

[GUI_PLAYER(ID=68118,width=400,text=Die Belagerungen spielen sich dynamischer und die KI hat dazugelernt.)]Vielleicht hätte ich einen anderen der neun Clans wählen sollen? Die Chosokabe hätten mir bessere Bogenschützen und eine sehr gute Startposition auf einer Insel gebracht! Mit den Mori würde ich jetzt dank der Flotte das japanische Meer sowie den Seeweg nach China oder Korea beherrschen! Mit den lautlosen Hattori könnte ich die besten Ninja für Attentate aussenden und meine Truppen effizienter im Gelände verstecken! Mit den Takeda hätte ich eine gefürchtete Kavallerie unter meinen Fittichen und mit den Tokugawa wäre die diplomatische Ausgangsposition einfacher. Würde, könnte, hätte…

Je nach Wahl startet man die historische Kampagne im Jahr 1545 an einem anderen Ort, mit anderen Spezialeinheiten, geostrategischen Problemen sowie auf den Clan abgestimmten Aufträgen: Mal muss man sich schnell aus einem Vasallenstatus befreien, mal erfolgreich Attentate verüben oder Rebellionen niederschlagen – im Laufe des Spiels gibt es immer mehr dieser kleinen Missionen. Als Belohnung für diese Etappenziele winken mal besondere Einheiten, mal etwas Gold sowie strategische oder wirtschaftliche Boni.

Das Dilemma des Daimyo

Ziel ist es, als Fürst (Daimyo) so mächtig zu werden, dass einen der hilflose Kaiser (Tenno) zum General (Shogun) ernennt – also zum militärischen Beschützer des Landes.

Ab und zu muss man sich bei Ereignissen auch sofort entscheiden: Will man ausländische Händler an seiner Küste dulden? Das bringt Geld, Kanonen, Galeonen und Feuerwaffen, aber leider auch das Christentum, was natürlich wenig ehrenvoll für einen Fürsten ist und religiöses Konfliktpotenzial in einem Land birgt, in dem der Shinto-Buddhismus verbreitet ist. Und außerdem ist der Bogen mit seiner Reichweite und Präzision den Luntenschlossbüchsen der Ausländer überlegen. Nimmt man lieber herrenlose Samurai in sein Gefolge auf? Die Ronin könnten sich immerhin als schlagfertige Truppe erweisen.

Diese so genannten „Dilemmas“ bereichern das Tagesgeschäft genauso wie böse Omen inkl. daraus resultierender Katastrophen, die das Land heimsuchen. Und sie verlangen nach sofortigen Entscheidungen mit kleinen oder großen Konsequenzen: Will man die reiche Ernte an die Bauern verteilen oder sie für schlechte Zeiten einlagern? Auch die Nahrungsversorgung ist wichtig, denn wenn die Bevölkerung hungert, wird sie unruhig und rebellisch, ist anfällig für Missionare. Hier kommt man recht früh in eine angenehme Aufbau-Zwickmühle, denn auch der Bau fortschrittlicher Gebäude verbraucht Nahrung.

Kampfmönche in Bedrängnis

Jede der 65 Provinzen hat einzigartige Rohstoffe zu bieten, die man wiederum für bestimmte Gebäude und Einheiten benötigt.

Jetzt sitze ich jedenfalls als Daimyo der Uesugi mit meinen Kampfmönchen in der Klemme, irgendwo im mittleren Westen Nippons, während es auf der Karte bedrohlich qualmt. Rebellen ziehen brandschatzend durch eine Provinz, denn die Bevölkerung hat aufgemuckt, weil ich die Ernte natürlich bunkern musste und vergessen habe, die Steuern zu senken. Ach ja: Ein General ist bei der Verteidigung einer Festung mit kompletter Besatzung gestorben – okay, ich habe ihn mit einer Einheit leichter Speerkämpfer etwas alleine gelassen. Ich halte nur noch drei von ehemals fünf Gebieten mit einer Armee; ein schmaler Streifen an der Küste. Zu schlimmer Letzt verbünden sich gerade benachbarte Clans gegen mich und lukrative Handelsabkommen werden gestrichen – na toll!

Wenn ich nicht aufpasse, bin ich bald Geschichte. Vielleicht doch den Schwierigkeitsgrad der Kampagne von schwer auf normal runter schrauben? Nein, das verbietet die Ehre! Und hier ist es wieder, das trotzige Grübeln über der verflixten Karte, diesem bunten Flickenteppich mit all seinen Provinzen. Hier tobt er wieder, der totale Krieg zwischen Echtzeit und Runde, zwischen taktischer Schlacht und strategischer Politik. Ich spiele diese Reihe seit zehn Jahren und bin immer wieder aufs Neue fasziniert, dass ich mich so gerne mit jeder noch so kleinen Entscheidung auseinander setze. Nach einer Kanne mit grünem Tee sollte der nächste Klick aber möglich sein.