Pixelpracht hin! Pixelparadies her! Bei The Drifter schrillt meine innere Point-and-Click-Retro-Alarmglocke – und das ist auch gut so. Schon nach wenigen Klicks ist klar, dass dieses Oldschool-Adventure Thimbleweed Park oder Kathy Rain & Co. pixelgenau ähnelt, aber in einem entscheidenden Punkt eben doch elementar von Genre-Konventionen abweicht.
Wie dem Quentin Tarantion-Lehrbuch für Pulp-Stoffe entsprungen, steckt mich das selbsternannte Thriller-Adventure in die mottenstichige Klamotte von Mick Carter – einem Obdachlosen. Als blinder Passagier in einem Güterzug geht’s los zu einer Beerdigung im engsten Familienkreis. Ein erzählerischer Startschuss wie ein B-Movie-Kultstreifen à la Hobo with a Shotgun. Natürlich mit erbarmungslos scharfkantiger Pixelgrafik, die in die Äuglein piekst.
Eine wilde Mixtur aus King, Crichton und Carpenter
Alleine das Werbematerial zu The Drifter hatte mich am Schlafittchen gepackt. Nicht nur verneigt sich der Trailer mit sonorer Sprecherstimme und provokanter Ansprache („Setze es auf deine Wunschliste, wenn du dich traust“) vor der Grindhouse-Film-Kultur, auch zerrt Indie-Developer Powerhoof drei meiner liebsten Kreativschaffenden aus der Referenzen-Schublade. „Inspiriert von King, Crichton und Carpenter„, heißt es da. Und, uff, damit haben die Macher*innen genau die richtigen Knöpfchen bei mir gedrückt.
Der Grindhouse-Trailer zu The Drifter:
Mit Friedhof der Kuscheltiere und Timeline habe ich als Knirps die Liebe zum Lesen entdeckt, und Die Mächte des Wahnsinns ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme – also ist der Dreiklang King-Crichton-Carpenter bei mir, nun ja, treffsicher eingeschlagen. Habe mich also ziemlich zügig für The Drifter hinter die Maus geklemmt – und suchte den Crichton in diesem Trio Infernale erst einmal vergeblich. Schließlich nimmt mich The Drifter im gröbsten Pixelbrei mit auf die unwahrscheinliche Heldenreise von Mick Carter – einem heruntergewirtschafteten Zeitgenossen, den man umgangssprachlich als „Penner“ abwerten würde.
Unterwegs ist Carter, tragisch genug, zur Beerdigung seiner Mutter – als er urplötzlich Augenzeuge wird, wie bewaffnete Männer scheinbar grundlos einen anderen Obdachlosen ermorden. Unser zerrupfter Held strandet daraufhin erstmals in der Gosse, wo er aufgrund schwächelndem Handy-Akku ein Gespräch mit seiner quirligen Schwester Annie kurz hält. Dann endlich bekomme ich als Mick in gekannter aber immer geliebter Point-and-Click-Manier die ersten niedrigschwelligen Rätsel vorgesetzt.

Einen weiteren, ermordeten Wohnungslosen später, bin ich nicht nur mit Nachwuchs-Journalistin Angela Grace aneinandergeraten, sondern gleich zwei urbanen Mythen auf der Spur – der des Bucket Butchers (auf Deutsch: Eimer-Mörder) und den „Mulindji“-Monstern. Aber da wird unsere Journalistin Grace schon von mysteriösen Soldaten mit Splinter-Cell-artigen Nachtsichtgeräten mit drei grünen Lichtern auf der Rübe weggezerrt, sowie Carter mafia-mäßig im nächsten Fluss versenkt – und damit geht diese Point-and-Click-Adventure-Achterbahnfahrt erst richtig los. Puh, was für ein Tempo!

