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Mafia: The Old Country im Test: Nach fünf Stunden wollte ich gar nicht mehr aufhören – und wurde nicht enttäuscht

Ihr mögt Story und Gameplay ist euch nicht ganz so wichtig? Dann ist Mafia: The Old Country genau euer Spiel, wie unser Test verrät.

Screenshot aus Mafia: The Old Country. Zu sehen ist Isabella, die Tochter des Dons. Versehen ist das Bild mit dem 4P-Testbanner links.
© 2K Games / Hangar 13 / Adobe Photoshop / 4P.de [M]

DAS ist in Mafia 4 richtig GELUNGEN!

Was muss ein Nachfolger zu einem guten Spiel eigentlich so bieten? Mehr vom Gleichen? Innovation? Risikobereitschaft? Es ist gar nicht so einfach, eine Antwort darauf zu finden. Für Mafia: The Old Country ist die Lösung sehr simpel: Einfach das machen, was die Fans an der Reihe lieben.

Nachdem Hangar 13 sich mit Mafia 3 von den Open World-Versprechen der modernen Spielekunst hat locken lassen, geht es jetzt zurück zu den Wurzeln. Einerseits spielerisch, andererseits inhaltlich. Und nach etlichen Stunden auf Sizilien kann ich nur sagen: Bellissimo – mit einem „Aber…“ im Anhang.

Mafia: The Old Country: Starker Beginn, aber das Ende…

Wie ich schon im ersten Teil dieses Tests, den ihr hier ab Seite 2 nachlesen könnt, erwähnt habe: Die Story ist der absolute Kernaspekt von Mafia: The Old Country. Ihr ist alles untergeordnet und die meiste Zeit auch völlig zurecht. Wie in einem guten Mafia-Film fährt Hangar 13 all das auf, was notwendig ist. Von einfachen Botengängen bis hin zu langatmigen Schießereien zwischen uns und anderen Mafiosi oder dem Gesetz. Richtig überraschen kann die Geschichte nicht, aber sehr wohl unterhalten.

Das liegt an den bis hin zum Schluss charismatischen Figuren, vom bedrohlich wirkenden Don über die kecke Isabella bis hin zum etwas trotteligen Kumpanen Cesare. Alles ist wahnsinnig toll geschauspielert und überzeugt mit einer großartigen Sprachausgabe, egal ob auf deutsch, englisch oder wahlweise sizilianisch. Damit begeistert dieses vierte Mafia wie schon einst das Original und dessen Nachfolger. Zumindest bis zum letzten Akt.

Während der Beginn wirklich langsam und atmosphärisch vonstatten geht, zieht Mafia: The Old Country zum Schluss ordentlich das Tempo an. Teilweise ist mir das dann etwas zu schnell, worunter die bis dato gut erzählte Handlung leidet. Wie gern hätte ich beispielsweise noch mehr von der verbotenen Liebe zwischen Enzo und Isabella erfahren oder hätte Lucas schwieriges Familienleben aus der Ferne betrachtet. Doch all das werfen die Autor*innen gegen Ende über Bord – was einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Mehr kann und möchte ich aus Spoilergründen hier aber nicht verraten.

Gameplay in der Schleife

Spielerisch, so habe ich es in meinem ersten Fazit ja schon geahnt, gibt es nichts Neues in den letzten Stunden zu berichten. Im Grunde bietet fast jede Mission eine ähnliche Struktur: Reinschleichen, nicht entdeckt werden, Ziel ausfindig machen, doch entdeckt werden und sich rausballern. Dieses Schema fahren die Entwickler*innen sehr häufig.

Immerhin ein bisschen Abwechslung gibt es, wenn ich etwa auf einmal ein Autorennen gewinnen oder jemanden über die Dächer verfolgen muss. Ersteres ist zum Glück nicht einmal im Ansatz so schwer wie im ersten Teil, sondern fast schon ein Selbstläufer mit mehr als nur gut gemeinten Checkpoints. Und Letzteres ist auch nur in Sachen Inszenierung Abwechslung, denn am Ende läuft es doch wieder auf ein Messerduell hinaus.

Ohnehin übertreibt es das Team ein wenig mit diesem Feature, wodurch es sich nach dem fünften oder sechsten Mal eher wie Tortur statt Spaß anfühlt. Was mitunter daran liegt, dass keine neuen Funktionen hinzukommen, lediglich Feinde werfen mir irgendwann mal Sand ins Gesicht. Ich selbst darf das nicht, es bleibt schlussendlich bei den Basics: Ausweichen, parieren und zustechen. Das hätte es wirklich nicht so oft benötigt.

Was bleibt unter dem Strich?

Wenn es euch wie mir geht, stört das alles aber nicht zu sehr. Selbst nach acht Stunden wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht und habe die spielerischen Schwächen einfach akzeptiert. Zu sehr war ich in der Atmosphäre gefangen, die mich in den besten Momenten fast schon an ein Red Dead Redemption 2 erinnert hat.

Screenshot aus Mafia: The Old Country. Zu sehen ist das Siegerfoto nach dem Autorennen.
Kein echtes Bild unseres Redakteurs. Aber das Rennen in Mafia: The Old Country hat er locker gewonnen. Credit: 2K Games / Hangar 13 / Screenshot 4P

Das erste Mafia hat Sören gespielt, da war er eigentlich noch viel zu jung für. Aber seine Begeisterung für Geschichten rund um die Cosa Nostra wurde damals schon entfacht – und hält bis heute an, obwohl die Storys sich immer wieder ähneln. Aber egal: Spaß macht’s halt trotzdem, solange er nur zuschauen muss.

Das ist zugleich aber auch der Knackpunkt, denn Mafia: The Old Country ist ein Spiel der Erwartungen. Wollt ihr möglichst viel spielerische Abwechslung und nicht einfach nur einem guten Schauspiel zuschauen, dann solltet ihr lieber die Finger vom Kauf lassen.

Dürstet es euch hingegen nach einer kompetent erzählten, wenn auch nicht besonders kreativen Geschichte im Milieu des organisierten Verbrechers hundert Jahre vor unserer Zeit, dann ist dieser rund zwölf bis 14 Stunden lange Ausflug fast jede einzelne Minute wert.

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