„Zum Teufel noch eins“ oder „Ich glaub, mein Schwein pfeift“, waren noch jugenfreie Sätze, die ich während meiner 30 Stunden und paar zerquetschten Minuten mit Cronos: The New Dawn zum Besten gab. Womit mich die ehemaligen Walking-Simulator-Weltmeister im Gruselei-Segment zu solchen verbalen Totalausfällen getrieben haben? Nun, indem sie mich härter als hart herausgefordert haben.
Layers of Fear, Blair Witch, The Medium, Observer … sind alles Horrorspiele, die Gänsehäute bescherten, seinen Macher*innen internationale Wertschätzung einbrachten – letztlich sogar den gefeierten Remake-Release von Silent Hill 2 gangbar machten. Dennoch: Gameplay ist bei Bloober Team höchstens ein Nachgedanke. Bis jetzt. Unser Test zum neuesten Survival-Horror-Spiel des polnischen Erfolgsstudios zeigt, wieso ihr vor dem Monitor schreien werdet …
Cronos: The New Dawn – Von einer Heldin, die auszog, um … Krakau zu besuchen
„Der Tod ist eine Lernerfahrung“, lese ich da. Als mich der Ladebildschirm mit diesen Worten begrüßt, weiß ich: Mit diesem dystopischen Third-Person-Horrorspiel ist nicht gut Kirschen essen – oder eher klebrig-glitschige Tentakel-Monster wegbürsten. Aber werfen wir zunächst einen Blick auf das erzählerische Fundament. In Cronos erwache ich als sowas wie eine Astronautin. Eine Frau, von der ich, insbesondere zu Beginn, wenig bis nichts weiß.

Gekleidet in eine Rüstung, die wie ein aus Altmetall zusammengeklöppelter Tiefseetaucheranzug aussieht, finde ich mich in einer Art Weltraumkapsel wieder. Von außen mutet das Teil wie ein überdimensionierter, 12-seitiger Würfel an. Aber egal. Bevor es stapfenden Schrittes losgeht in das dystopisch-düstere Krakau, werde ich von einer Roboterstimme – HAL 9000 aus 2001: Odyssee im Weltraum lässt grüßen – mit einer Reihe von Rohrschachtests konfrontiert. Also Farbklecksen, bei denen ich angebe, woran sie mich eher erinnern – wobei gegebene Antworten ins spätere Spielgeschehen eingeflochten werden. So rätselhaft beginnt Cronos.
Bösen Zungen könnten behaupten, Bloober Team habe für seinen neuesten Streich in der Resterampe für Horrorstoffe gewildert. Der Body-Horror aus John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt hier. Eine vom Netflix-Erfolg Dark inspirierte Zeitreisegeschichte dort. Mehr Cat Content, als jemals in irgendeinem Horrorspiel zuvor, und … ja, richtig gelesen. Cronos ist voller Katzen – und die sind nicht nur flauschig, sondern spielerisch sinnvoll untergebracht. Doch zu den Fellknäuelen später mehr.

Die Steuerung gestaltete sich intuitiv, die Motivation der Protagonistin ist stets eindeutig – wenn auch kryptisch erzählt. Gespielt wird aus der Schulterperspektive in der WASD-und-Maus-Kombi (sofern kein Controller in Reichweite liegt). Über Hindernisse in der Spielwelt hat sich die Heldin per Tastendruck fix weggeduckt oder hochgezogen. Ein (langsamer) Sprint wird mit gehaltener Shift-Taste eingelegt. Mit gehaltener, rechter Maustaste wird gezielt, Nahkampfangriffe (als Notlösung im Kampf, oder um Kisten zu zerdeppern) erfolgen mit linker Maus- oder Leertaste. So die Voreinstellungen. Sowohl simpel, als auch eingängig, oder?

