„Where are you Marshall?“, bellen die Wildwest-Schergen. Und Larry Kuperman ergänzt mit spitzbübischem Grinsen: „Wenn es einen Satz gibt, der sich während Outlaws ins Gedächtnis einbrennt, dann dieser“. Kuperman ist Vizepräsident bei Nightdive Studios, also jenem Entwicklungsstudio, welches sich unlängst als Remastering-Powerhouse etabliert hat – von D wie Dark Forces bis T wie Turok: Dinosaur Hunter.
Das erfolgreiche Star Wars: Dark Forces Remaster hat bei Lucasfilm und Disney offenkundig Türen aufgestoßen – denn nach Kyle Katarns Schlachtzug gegen die dunkle Seite der Macht, galoppiert jetzt Ex-Marshall James Anderson aus Outlaws anno 1997 hinterher. Ein Kult-Shooter, der auch in meiner Gaming-Historie einen Ehrenplatz einnimmt – und bereits am 20. November als Remaster aufschlagen soll.
Red Dead Redemption, wie’s die 90er erzählt hätten
„Welche anderen Western-Shooter gibt es noch – abgesehen vielleicht von Red Dead Redemption? Wobei …“ Kuperman runzelt die Stirn, schiebt ergänzend hinterher: „… Red Dead natürlich kein Shooter ist“. Der Mann, der – rein äußerlich, versteht sich – eine gewisse Ähnlichkeit mit dem stylischen Bösewicht Matthew „Dr. Death“ Jackson aus Outlaws aufweist, gerät während unseres Treffens ins Fachsimpeln.

Da wäre die mittlerweile eingeschlafene Call of Juarez-Reihe von Techland, das Action-Adventure Gun von Neversoft aus dem vorsintflutlichen Jahre 2005. Und natürlich hat sich Red Dead Redemption, abseits von Genre-Zuschreibungen, einen mit Gold und Silber ausgeschlagenen Platz im Western-Pantheon errungen – oder eher: freigeschossen. Aber Jahrzehnte bevor Rockstar den Finger am Colt hatte, war da ein für seine Zeit innovativer Ego-Shooter, dem die Remastering-Virtuosen von Nightdive jetzt als Outlaws + Handful of Missions: Remaster nochmal das Fell striegeln.
Persönlich verbinde ich mit Outlaws eine meiner ersten Shooter-Erfahrungen jemals, ungefähr zeitgleich mit Wolfenstein 3D oder Duke Nukem 3D. Dabei hatte Outlaws, wie Kuperman betont, seinerzeit einige Shooter-Konventionen im Gepäck, die wir jetzt, Dekaden später, als Selbstverständlichkeit wahrnehmen. Ein Beispiel hierfür: Das Nachladen des ausgewählten Ballermanns über die R-Taste – bis heute absoluter Standard, damals ein Novum.
Trailer zum neuen Spiel:
Ein weiteres Beispiel: In Outlaws war man gut damit beraten, sparsam mit Munition umzugehen. Oder das Zielfernrohr, auswählbar bei ausgerüstetem Scharfschützengewehr, hatte seinerzeit Neuheitswert. Aber das hier ist ja keine Geschichtsstunde – und es bleibt die Frage: Hat mich die Gameplay-Demonstration auf der gamescom überzeugt? Meine Antwort darf keinesfalls das filmische Intro des Spiels unterschlagen.
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Zwischensequenzen wie (animierte) Gemälde
„Genau das könnte ich mir jetzt als zweistündigen Spielfilm geben“, denke ich bei der Sichtung der aufpolierten Intro-Sequenz vom Outlaws-Remaster. Trotz aller Schauwerte zwischen den Leveln: Outlaws ist ein Shooter-Game, welches inzwischen natürlich irrwitzig veraltet wirkt. Gegnerische Schützen sind mehr nicht als schlechteres Kanonenfutter, die das Wörtchen „Intelligenz“ nicht mal buchstabieren können. Die Umgebungen wirken kahl und belebt – noch mehr, als dem Wildwest-Setting eigentlich angemessen. Und die Sprungpassagen dürften … weniger intuitiv von der Hand gehen. Das macht aber alles nichts.
Das Intro im Original – ohne Remaster-Behandlung:
Denn Nightdive Studios allgemein und Larry Kuperman speziell, haben es sich auf die Fahne geschrieben … äh … den Colt graviert, mit Outlaws + Handful of Missions: Remaster und ähnlichen Projekten „Klassiker so wieder zum Leben zu erwecken, wie man sich daran erinnert“, um es mit den Worten des Nightdive-Vizes zu sagen. Ich jedenfalls werde, sobald Outlaws Ende November dieses Jahres wieder die Prärie zum Glühen bringt, unterlegt von Sätzen wie „Where are you Marshall?“, den Colt durchladen. Ein Satz übrigens, den euch die Gegner im Spielverlauf ohne Unterlass zurufen.
Ach ja, auf meine Frage, ob sich Nightdive eines Remasters von Turok-Evolution annehmen wird, ließ sich Kuperman zu der kryptischen Antwort hinreißen: „Bei uns ist das keine Frage von ob, sondern wann“. Lieber bald, liebe Remastering-Gurus – schließlich ist nach Turok 3 längt wieder mein Saurierjägerhunger ausgebrochen.
Quellen: YouTube / @JamesInDigital, @Nightdivestudios

