Mal Hand aufs Herz – und Kopfhörer auf die Ohren: Welche Musikstücke aus welchen Klassikern der Videospielgeschichte haben sich bei euch wie Ohrwürmer ins Trommelfell gebohrt? Bei mir ist es das industrielle Gewummer von Last Legs aus Half-Life 2: Episode Two, das hektische Gehämmer aus dem finalen Bosskampf gegen Lothard Brandt aus Wolfenstein: Youngblood – oder das orchestrale Titelthema aus dem umstrittensten Tomb-Raider-Spiel aller Zeiten: Angel of Darkness.
Was mir Komponist Peter Connelly zusammen mit Martin Iveson seinerzeit zu Gehör gebracht hat, hatte was von großen, wiederkehrenden Themen und Motiven – nach Bauplan eines John Williams, James Newton Howard oder den ganzen Filmmusik-Klongkrieger*innen aus der Hans-Zimmer-Schule. Jetzt habe ich mit kleinem Schrecken erfahren: Der gute Herr Connelly muss hinter schwedische Gardinen – leider nicht nur sprichwörtlich.
Tomb Raider-Komponist wandert ins Kittchen
Eine Zeit jüngster Geschichte, auf die ich – wie vermutlich die meisten von euch – mit gefühltem Schrecken ohne Ende zurückblicke: die Corona-Pandemie. Existenzielle Ängste, Tod und Unsicherheit, knappe Kurzarbeit, dafür ganz viel Hendrik Streeck – und Boris „Bobbele“ Becker beklatscht vom Balkon aus das Gesundheitswesen. Ganz ehrlich: Wenn ich nur, auch ganz kurz, daran zurückdenke, muss ich mich erstmal hinlegen. Ganz lange hinlegen.
Leider haben sozusagen die Nachwehen von Covid jetzt einen meiner Helden aus Kindertagen erwischt – immerhin nicht gesundheitlich. Wie hierzulande auch, hat in Großbritannien die Regierung seinen Bürger*innen mit sogenannten Hilfskrediten unter die Arme gegriffen. An und für sich eine feine Sache, wenn Staat und Bürger*innen eine wechselseitige Symbiose eingehen. Doch im Falle von Connelly – Komponist der wunderherrlichen Musiken von Tomb Raider: The Angel of Darkness – ist die Sache jetzt nach hinten losgegangen.
Peter Connelly über seine Arbeit an Angel of Darkness:
Dem guten Mann, auch bekannt für seine musikalische Untermalung solcher Games wie Dead Island 2 oder Tomb Raider: Chronicles, ist sein zweiter Covid-Kredit auf die Füße gefallen. Sage und schreibe 37.500 britische Pfund, also umgerechnet 43.400 Euro, soll sich Connelly mit einem zweiten Covid-Kredit unter Zuhilfenahme falscher Angaben – die flapsige Formulierung muss erlaubt sein – ergaunert haben. Nun bin ich weder Jurist noch fühle ich mich qualifiziert, die Moralkeule über Herr Connelly und Betrugsfall zu schwingen.
Wohl aber hat mir die aktuelle, weniger erfreuliche Causa Connelly seine Musik, abseits vom windigen Geschäftsgebaren, zurück aufs Gehör geworfen – und mich daran erinnert, in welche Sackgasse sich die Tomb-Raider-Reihe 2003 hineinmanövriert hatte. Nach dem genialischen Erstlingswerk mit einem männlichen Indiana Jones, einem kongenial weiterentwickelten Teil zwei, folgte der brutal- bis bockschwere Teil drei – immer den Feueratem von Publisher Eidos im Nacken. Ein brutaler Gewaltmarsch für Developer Core Design, der seinen Tribut zollen sollte.
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Mittelmäßiges Spiel, Weltklasse-Musik
Die Fließbandproduktion verblüffend hochwertiger Spiele ging immer so weiter, bis Core Design bei Tomb Raider 4: The Last Revelation die Sisyphus-Arbeit an immer neuen, immer ähnlichen Spielen im Jahrestakt satthatte, der Grabräuberin mit dem vierten Hauptteil den Sargnagel verpasste. Nur, um Lara 2003 mit düsterem Imagewechsel in Tomb Raider: The Angel of Darkness neu auferstehen zu lassen – was, wir erinnern uns, spielerisch amtlich in die Hose ging. Leider. Ein Triumph hingegen waren Connellys und Ivesons Melodien.
Das musikalische Hauptthema aus Angel of Darkenss:
Ja, Angel of Darkness hat auch mich damals enttäuscht. Schade, denn gerade The Last Revelation tanzte mit seiner Story jenseits von McGuffin-Einerlei à la „Suche sagenumwobenes Artefakt der Weltgeschichte“ von Tomb Raider eins bis drei angenehm aus der Reihe. Ohne Flunkerei: Angel of Darkenss ist bis heute das einzige Tomb Raider der Hauptreihe, das ich nicht durchgespielt habe – weil’s einfach seinerzeit ein Ding der Unmöglichkeit war, so voller Bugs und Steuerung aus der Hölle.
Aber schon damals haben mir Connellys Musiken, eingespielt von renommierten London Symphony Orchestra, Gänsehaut pur bereitet – und das war etwas, woran andere Videospiele ihrer Zeit gescheitert sind. Aber egal, ob Connelly oder Zimmer: Höre ich alle allemal lieber, als unseren Bobbele, wie er in die Hände klatscht. Ach ja, und die bestmögliche Version von Tomb Raider: The Angel of Darkness gibt’s natürlich mit Tomb Raider IV-VI Remastered.
Quellen: YouTube / @tombraider, @Tyran_Trick, @Musicoftombraider, GOV.UK

