Wer die größte Bandbreite an zur Verfügung stehenden Spielen genießen möchte, ist mit einem PC inklusive Steam-Account schon sehr gut beraten. Beides habe ich mir bereits vor geraumer Zeit angeschafft und bin es bis heute nicht satt, den Shop der Vertriebsplattform zu durchstöbern und dabei hoffentlich über meine nächste Gaming-Obsession zu stolpern.
Nicht selten werde ich dabei auch fündig, begeistere ich mich doch häufig für liebevolle Indie-Spiele, die es dort glücklicherweise zahlreich zu finden gibt. Vor Kurzem konnte ich meiner Wunschliste auf diesem Wege einen neuen Eintrag hinzufügen, und das mit der starken Gewissheit, bei dem bevorstehenden Release wirklich zugreifen zu wollen. Immerhin weiß ich jetzt durch die kostenlose Demo bereits, dass ich auf gar keinen Fall widerstehen kann.
Der Steam-Release von Undusted: Letters from the Past kann nicht schnell genug kommen
Undusted: Letters from the Past hat mich beim ersten Zusammentreffen mit einem seiner Trailer in helle Aufregung versetzt, seit der Demo auf Steam richtig gepackt. Vor allem, weil es eine ganz bestimmte Gaming-Vorliebe von mir bedient, die ich leider nicht allzu häufig antreffe. In diesem Spiel besteht die Hauptbeschäftigung darin, verschmutzte Objekte wieder sauber zu bekommen. Die gelangen als Protagonistin Adora in meine Finger, während ich durch die Räume ihres alten, verlassenen Familienhauses steife.
Mit jedem Gegenstand, den ich von Schmutz befreie, decke ich einen Teil der Geschichten von damals auf. Es gibt glückliche, aber auch schmerzhafte und traurige Erinnerungen zu entdecken, die Adora mit ihren Eltern und ihrer Kindheit verbindet. Dabei klärt sich auf, warum sie überhaupt zurückgekehrt ist und wie sie mit ihrer Vergangenheit ins Reine kommen kann. Erzählt wird das ganze über ins Gedächtnis gerufene Dialoge und Sequenzen ähnlich wie aus einem Bilderbuch.
Hier ein Trailer zu Undusted:
Um weitere Puzzleteile der Story freizuschalten, müssen erst neue Objekte gereinigt werden, die Adora an ihr damaliges Leben zurückdenken lassen. Beispielsweise eine Taschenuhr, die als Geschenk von ihrer Mutter an ihren Vater deren Verbundenheit symbolisiert. Um den angesammelten Schmutz loszuwerden, stehen je nach notwendiger Vorgehensweise mehrere Utensilien zur Verfügung. So gehört die Taschenuhr zum Beispiel erst mit einem Schwamm grob abgewischt, dann die Rillen mit einer kleinen Bürste ausgekratzt und schließlich das Glas mit einem Tuch poliert.
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Nur ein sauberes Pixel ist ein gutes Pixel
Hierfür wechselt Undusted in die Draufsicht eines Schreibtischs, auf dem alle benutzbaren Werkzeuge liegen und der vorliegende Gegenstand in die Hand genommen werden kann, um sich drehen, wenden oder öffnen zu lassen. Indem ich meine Maus über den Schmutz ziehe, entferne ich diesen Pixel für Pixel. Am unteren Rand des Bildschirms wird mir angezeigt, wie viel Fortschritt ich bereits erreicht habe und wie viel noch fehlt, bis ich die Aufgabe abschließen kann.
Das geht nämlich schon vor den 100 Prozent, die nicht gerade leicht zu erreichen sind. Die letzten Dreckpartikel verstecken sich ziemlich gut, sind mit dem bloßen Auge eigentlich gar nicht mehr zu erkennen. So lerne ich in der Demo recht schnell, das Perfektionismus hier nur zu Frust führt. Sowieso ist der Weg das Ziel, nicht ein makelloses Endergebnis. Und daran störe ich mich nicht, denn ich liebe es, per direkt übertragener Handbewegung in einem Spiel mit meiner Umwelt zu interagieren.
Es ist ein schwer zu erklärenden Bedürfnis, das sich in vielerlei Formen niederschlägt. Zum Beispiel in Pokémon, wenn ich das Spiel nur öffne, um am DS mit dem Touchpen meine Medaillen zu polieren. Oder in Nintendogs, wenn ich Hunde per Fingerwisch streichle. Genauso bei einer Runde Cooking Mama, sobald ich auf die Zutaten losprügle. Da die Zeiten des Nintendo DS (welche mir diese Vorliebe vermutlich beschert haben) aber nun mal leider vorbei sind, muss ich häufig auf diesen Spaßfaktor verzichten, den es heutzutage am ehesten noch über Mobile Games zu finden gibt. Und natürlich ab und zu per Umweg mit der Maus am PC.
Wohltuende Sinneseindrücke
Undusted: Letters from the Past will mit seiner angenehmen Geräuschkulisse von Bürstenkratzen und Schwammschaben das gleiche Gefühl vermitteln, wie entspannte Restaurierungs- und ASMR-Videos auslösen. Damit trifft der Titel bei mir einen Nerv, denn an eben solche Videos, in denen beispielsweise alte Münzen geschrubbt oder Vasen mit der Kintsugi-Technik wieder aufbereitet werden, kann ich nicht vorbeiscrollen. Es ist der gleiche zufriedenstellende Faktor, wie ihn ein PowerWash Simulator liefert, gepaart mit der Atmosphäre von einer spielgewordenen Tasse Tee, wodurch Undusted so eine starke Anziehungskraft auf mich ausübt.
Und das ist der Grund, warum ich mir wünschen würde, die Demo von Undusted am liebsten gar nicht aus der Hand zu legen. Aber wie das Probeversionen nun mal an sich haben, endet auch diese schon nach kurzer Zeit mit einem Verweis auf das bald erscheinende, vollständige Spiel. Drei Gegenstände konnte ich zum Glänzen bringen, bevor ich wieder aus dem eingestaubten Haus herausgeschmissen wurde. Am 13. Oktober aber kann mich nichts und niemand aufhalten, meine virtuelle Putzwut (die sich leider nicht ins echte Leben überträgt) mit Undusted auf Steam auszuleben.
Falls ihr jetzt traurig dreinschaut, weil ihr keinen PC, aber eine Nintendo Switch oder Switch 2 besitzt, dann müsst ihr euch nur drei Tage länger gedulden und könnt ebenfalls in diese Reise der Reinigung starten. Auf diesen Konsolen gibt es allerdings vorab keine kostenlose Demoversion abzugreifen, mit der ihr euch jetzt schon wie ich auf den Release einstellen dürft. Und wenn ihr dafür den Rechner anschmeißt, könnt ihr im gleichen Zug drei kostenlose Spiele auf Steam abgreifen.
Quellen: YouTube / Wholesome Games, Steam / Undusted: Letters from the Past

