„Endlich ist es also so weit!“, dachte ich mir, als mich Capcom zusammen mit anderen Pressevertreter*innen in einen finsteren Hinterraum führte, einen Controller in die Hand drückte – und Grace Ashcroft blendend animiert auf dem großformatigen Bildschirm erschien. Endlich habe ich Resident Evil Requiem angespielt – und wurde überzeugt?
Aber ganz langsam. Gespielt habe ich, wie alle anderen Pressebesucher*innen auch, eine kurze, gerade mal halbstündige Passage – die dominiert wird von einem jener Charaktere, an denen sich die Geister scheiden. Denn, ja, während meiner knapp 30 Minuten mit dem neunten Hauptteil veranstaltete ein Stalker-Charakter eine Hetzjagd auf mich, wie ich ihn in bald 30 Jahren Resident Evil-Geschichte noch nicht gesehen habe …
Resident Evil Requiem angespielt – und habe mich (fast) eingepinkelt vor Angst
Egal, ob Mr. X, Lady Dimitrescu oder Nemesis: Die Resident Evil-Reihe ist voller sogenannter Stalker-Charaktere, also einzelner, übermächtiger Gegner, gegen die ihr als Spieler*in nichts ausrichten könnt – weswegen nur zwei Lösungen bleiben: Verstecken oder wegrennen. Und weggerannt bin ich in Requiem auf der gamescom 2025, das kann ich euch versichern, mehr als genug – wenn ich nicht gerade mit Zippo-Feuerzeug im Anschlag durch Herrenhaus-artige, schlecht ausgeleuchtete Hallen getapst bin. Aber dazu gleich mehr.
Hier der gamescom Gameplay-Trailer:
Bereits die ersten Sekunden von Resident Evil Requiem nehmen keine Gefangenen. In der Haut von Protagonistin Grace Ashcroft erwache ich kopfüber an einer Krankenliege gefesselt. Arme und Beine sind der Frau mit Gurten fixiert. Schlimmer noch: Frau Ashcroft ist blutverschmiert, am Arm und Brustbereich mit Verbandzeug umwickelt. Zu allem Überfluss steckt ihr eine medizinische Kanüle im linken Unterarm. Irgendjemand (oder etwas?) zapft ihr Blut ab. Nach einigem Rütteln wirft Ashcroft das Bettgestell um und sich auf den Boden.
Damit endet die kurze Intro-Sequenz, die teilweise schon der erste Trailer gezeigt hat – und das eigentliche Gameplay beginnt. Wie bereits bekannt, überlässt euch Resident Evil Requiem die Wahl zwischen First- und Third-Person-Perspektive. Da ich das Spielgeschehen aus der Ego-Perspektive persönlich als immersiver empfinde, ich Resident Evil 7: Biohazard und Resident Evil: Village gefeiert habe, übernehme ich während meiner gesamten Spielzeit Ashcrofts Blickwinkel. Tja, und was soll ich sagen?
Resident Evil Requiem im Gameplay-Video:
Während keines anderen Anspielevents auf der gamescom 2025 habe ich mir wenig Notizen gemacht. Nicht etwa, weil es nichts zu berichten gäbe. Oh nein, aber Requiem legt sofort mit einer unheilvollen, bedrohlichen Atmosphäre vor, die mich wie kein anderes Spiel der Branchenmesse in seinen Bann geschlagen hat. Alleine grafisch fackelt die aktuelle Version der RE Engine ein Stimmungs-Feuerwerk an fotorealistischen Licht- und Schattenspielen ab, dass mir regelrecht die Spucke wegblieb. Dabei passierte während der ersten paar Sekunden Gameplay noch recht wenig …
Lesetipp: Das neueste Resident Evil erscheint noch 2025
Kein Grusel-Kitsch, sondern ein ungeschönter Horror-Schocker
Ja, auch ich konnte Resident Evil Village mit seiner etwas trashigen, stilistischen Richtung, mit dem Schloss-in-den-Karpaten-artigen Schauplatz und Monstern wertschätzen. Aber Resident Evil Requiem wirkt eher wie ein beinharter Horrorfilm, den einem der Videothekar früher nur heimlich unter der Ladentheke zugeschoben hätte. Also gut, nachdem sich Ashcroft aus ihrer misslichen Lage befreit hat, stolpert sie bald jener grotesk-gruseligen Kreatur in die Arme, bei der selbst H.R. Gigers Alien den Schwanz einzöge.
Requiem im Technik-Check bei Digital Foundry:
Zunächst tapse ich also, leicht desorientiert, durch die kläglich beleuchtete Gänge. Schleiche durch den ersten Gang, fühle mich durch mit auffallenden Ornamenten verzierte Türen, oder ein marmorne Pferdestatue stilistisch in ein ganz anderes, aber doch vertrautes Resident Evil-Abenteuer hineingeworfen. Der erste Aha-Moment: Lichtschalter spielen eine wichtige Rolle. Zumindest auffallend häufig lassen sich welche umlegen – und das hat einen triftigen Grund. Denn der Stalker-Charakter, der mir wenige Minuten später entgegenkommt, reagiert mit dampfendem Körper und Schmerzensschreien auf Lichtquellen.
„Was zur Hölle ist das?“, murmelte ich vor mich hin, denn, ja, dieses Viech ähnelt dem Goya-Gemälde „Saturn verschlingt seinen Sohn“ frappierend – sieht nur fünfmal so hässlich aus. Mindestens. Und wie auf dem berühmten Gemälde, packte mich, beziehungsweise Ashcroft, dieses Albtraumwesen mit überdimensionierten Pranken, um mir den Kopf von den Schultern zu beißen – immer und immer wieder. In bester Stalker-Manier musste ich erstmal herausfinden, dass der Goya-Lookalike A) allergisch auf eingeschaltete Deckenlampen reagiert, und B) wie ich an einen dringend benötigten Werkzeugkoffer gelange.
Auf dem Weg dahin hat mich der Kammerad immer wieder, nun ja, zum Frühstück verspeist. Es ist diese Kombination aus einem wirklich furchterregend inszenierten Monster, das mir nach dem Leben trachtet, während ich mich verzweifelt frage: „Wie komme ich an das Köfferchen, um mit dem Werkzeug darin an die benötigte Sicherung für die geschlossene Schiebetür zu gelangen?“ – und da war es schon wieder um meinen Kopf geschehen, das heißt dem von Grace Ashcroft.
Wie sich das für eine ordentlich herausgearbeiteten Horrorstoff gehört, überzeugt Requiem übrigens auch auf der akustischen Ebene. Das verzweifelte Wimmern Ashcrofts bereitet mir bis heute Unbehagen – so sehr, dass ich voraussage: Resident Evil Requiem wird weit mehr schocken, als das Original vor bald 30 Jahren.
Quellen: YouTube / @IGN, @rebiohazard1998, @DigitalFoundry

