Bitte was? Blumhouse Games pfeift zum Pressevent? Ungelogen: Der Name Blumhouse übt auf mich eine verführerische Strahlkraft aus. Angefangen mit dem Found Footage-Streifen Paranormal Activity, Jordan Peeles Meisterwerk Get Out, oder jener Halloween-Neuinterpretation, die Scream Queen Jamie Lee Curtis zurückbrachte. Aber was hat das mit Horrorspielen zu tun?
Nun, während ich der Produktionsfirma als Horrorfan viele durchgeschüttelte Stunden im Kinosaale verdanke, strecken die Verantwortlichen längst ihre Fingerchen in Richtung Gaming aus – wie das wunderherrliche Fear the Spotlight zuletzt gezeigt hat. Jetzt hat sich der Publisher ein anderes Entwicklungstudio gekrallt. Und das ist der Punkt, an dem ein David Carrasco ins Spiel kommt …
Kannst du bluten? Nein? Du musst aber!
Auf der gamescom 2025 begrüßte mich David Carrasco in seiner Funktion als Geschäftsführer von Vermila Studios und leitender Kreativkopf hinter dem Horrorspiel Crisol: Theater of Idols. Mit dem Titel befindet sich das Erstlingswerk des in Madrid ansässigen Developers in der Mache – wobei Carrasco in der Branche kein Unbekannter ist. Seine über 15-jährige Berufserfahrung kennt Stationen bei Atari, Ubisoft und Nintendo. Doch mit Crisol basteln er und sein Team gerade an einem echten Herzensprojekt – das sich Fans von Resident Evil & Co. unbedingt vormerken müssen.
Der Enthüllungstrailer:
Crisol: Theater of Idols hat zwei Alleinstellungsmerkmale, die es im sonstigen Zombie- und Apokalypsen-Einheitsbrei hervorhebt – nein, eigentlich drei. Erstens: Im Spiel wird das eigene Blut angezapft, um sich so, nun ja, neue Munition für Waffen zu saugen. Die Crux dabei ist, dass abgezapfter Lebenssaft zwar ballistischen Nachschub besorgt, zugleich aber wertvolle Lebensenergie abzieht – was nur konsequent klingt. Wer es mit der Selbstversorgung qua roten Safts übertreibt, kann sich also selbst schachmatt setzen.
Zweitens: Crisol wird herstellerseitig als Mixtur aus „Resident Evil und BioShock“ umschrieben – und während ich die Capcom-Anleihen überdeutlich sehe, schiebe ich die BioShock-Referenz mal ins Reich beflügelter Marketingsprache. Aber das macht nichts, denn die dritte Besonderheit nimmt mich umso mehr für das Spiel ein. Theater of Idols kennt sein eigenes, unverbrauchtes Mythengefüge, welches sich aus spanischer Folklore speist. Auch, dass als Schauplatz die fiktionale Insel Tormentosa gewählt wurde – ich vermute starke Bezugspunkte zu Alexandre Dumas‘ Roman Der Graf von Monte Christo –, entzückt mich ernstlich. Tja, und auch beim Anspielen konnte mich diese Horror-Hoffnung überzeugen …
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Stalker-Gegner auf die spanische Art
Wer Resident Evil selbst nur vom Hörensagen her kennt, weiß: An den sogenannten Stalker-Charakteren von L wie Lady Dimitrescu bis M wie Mr. X scheiden sich die Geister. Kurz gesagt: Diese Über-Gegner sind zunächst unkaputtbar, weswegen als Spieler*in nur eine von zwei Möglichkeiten bleibt – nämlich weglaufen oder verstecken. Während meines rund halbstündigen Anspielens von Crisol: Theater of Idols habe ich beides getan – und mächtig Laune dabei gehabt.

In den verwinkelt wirkenden Gassen von Hispania – dieser düsteren Neuinterpretation Spaniens – bewegte ich mich aus der Ego-Perspektive heraus. Als Gegner setzten sich mir die aus obigem Trailer bekannten, Schaufensterpuppen-artigen Gesellen vor den Pistolenlauf. Erster Aha-Moment: Crisol wirkt viel weitläufiger, als ich es erahnt hatte. Mit den labyrinthisch angelegten Gässchen laden die Level-Designer*innen zu Entdeckungsreisen ein. Okay, zu entdecken gab’s – abgesehen von Heilgegenständen hier und Munitionsvorräten dort – noch nicht allzu viel.
Doch ein Sonntagnachmittagsspaziergang durch diesen unpassendsten aller Touristenorte war das eh nicht. Bald schon veranstaltete eine drei Mann große, übel gelaunte, aber schmuckvoll anzusehende Kreatur eine Hetzjagd durch das Städtchen auf mich. „Pass auf, wo du hingehst. Sie hört jeden deiner Schritte“, warnte mich Carrasco mit einem Lächeln – und in der Tat: Die nächsten Spielminuten brachte ich in bester Stalker-Manier damit zu, mich vor der monströsen Lady wegzuducken, in den frei begehbaren Häusern zu verstecken – bis ich die dringend benötigte Kurbel an mich gerissen hatte, um das rettende Tor hochzuziehen.

Hatte ich Freude mit Crisol: Theater of Idols? Ganz ohne Frage: Ja, hatte ich. Bedenkt allerdings: Bei der von mir gespielten Version handelt es sich um den aktuellen Entwicklungsstand. Crisol zeigte sich jedoch optimistisch, bestätigte mir nochmal, was bereits der Trailer am Ende verkündet: „2025 wirst du bluten“. Na dann: Ich storniere schon mal vorsorglich meine Blutspendetermine – schließlich braucht’s den Saft im Kampf gegen die Lady. Apropos Stalker-Queens: Was macht eigentlich Lady Dimitrescu aus Resident Evil Village so einzigartig?
Quellen: YouTube / @blumhousegames

