Veröffentlicht inSpecials

Gothic Remake überrascht mich jetzt mit drei Neuheiten – bei einer könnten Fans durchdrehen

Welche zeitgeistigen Zugeständnisse macht Alkimia Interactive an den Fantasy-Männerknast aus Gothic Remake – und braucht es die überhaupt?

Eine Bildmontage zu Gothic Remake.
© THQ Nordic / Alkimia Interactive, 4P.de [M]

Die gamescom 2025: Das erwartet euch!

Die gamescom 2025 ist das Highlight für alle Gaming-Fans. Neben langersehnten Titeln wie Anno 117 und Resident Evil: Requiem bietet das größte Gaming-Event der Welt unzählige Neuheiten und einzigartige Eindrücke direkt aus Köln.

Mud ist noch immer da – und nervtötend wie eh und je“, versichert mir Reinhard Pollice, Studiochef von Alkimia Interactive. Nicht nur das: Die unvergleichliche Nervensäge aus dem Rollenspiel-Klassiker Gothic der inzwischen hopsgegangenen Piranha Bytes macht seinem Namen alle Ehre, ist in der Neuauflage schlammverschmiert. So weit, so erfreulich.

Während der knapp 45-minütigen Gameplay-Präsentation auf der gamescom, bei der eine aktuelle Version des Gothic Remakes live hinter verschlossenen Türen gezeigt wurde, verblüfften mich drei Dinge – bei einem werden Fans der ersten Stunde vergnügt mit den Ohren schlackern. Zwei andere Sachen könnte Gothic-Purist*innen ein skeptisches Stirnrunzeln abverlangen.

Die Rückkehr des namenlosen Helden …

„Does this count as petting?“, fragt Kai Rosenkranz grinsend in die Runde der anwesenden Pressevertreter*innen, als Pollice als namenloser Held einen Feuerregen auf einen Orkwolf niederprasseln lässt. Das Hündchen flammt lichterloh auf, bricht dann mit zittrigen Knien zusammen. Es ist eine Spielszene, wie sie Gothic-Fans im Original aus dem Jahre 2001 gefühlt unendliche Male erlebt haben – mit dem Unterschied, dass die Unreal Engine 5 die Kolonie in, nun ja, feurig heiß erstrahlen lässt. Übrigens, richtig gelesen: In dieser neuesten Gameplay-Präsentation ist er endlich wieder mit dabei …

Der aktuelle Xardas-Trailer:

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von YouTube der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden.

Alle alteingesessenen Gothic-Fans, den jetzt vor Nervosität mit den Zähnen klappern, kann ich beruhigen: Der Heros, der ohne Vor- geschweige denn Nachnamen auskommt, ist äußerlich sofort wiederzuerkennen. Sprich: blonde, zu einem Zöpfchen zurückgebundene Haare, markanter Zinken im Gesicht und Klobrillen-Bärtchen. Alles am Aussehen des Protagonisten, Innos sei mein Zeuge, schreit nach Wiedererkennungswerten. Und auch auf eine der wichtigsten Fragen, die Gothic-Fans bislang schlaflose Nächte bereitet hat, gibt es jetzt endlich eine Antwort.

Christian Wewerka ist offenkundig als Synchronsprecher des namenslosen Helden zurück – in der von THQ Nordic für Messepublikum bereitgestellten Testversion, war wohl die unvergessliche Stimme zu hören, wie sie die für Gothic typischen, rotzfrechen Dialoge fetzt. Während meiner eigenen, der Presse gewidmeten Präsentation wurde allerdings, verständlich angesichts der internationalen Pressevertreter*innen, die englische Sprachausgabe ausgegeben. Kolleg*innen, die dann auch mal Fragen stellen, die mir als Gothic-Fan niemals über die Lippen gekommen wären, waren umso relevanter – speziell in Hinblick auf Rollenspieler*innen weltweit.

Lesetipp: Crimson Desert: der Open World-Brecher auf der gamescom 2025

… im magischen Männerknast

„Ihr müsst ja mit einer ziemlichen Gegenreaktion rechnen?“, gab eine internationale Kollegin zu bedenken, adressierte damit einen gerechtfertigten Punkt. Die einst von Piranha Bytes erdachte Fantasy-Welt, in der eine riesige, magische Kuppel als Freiluft-Gefängnis für Straftäter dient, ist zutiefst patriarchal. In Gothic standen Männer nicht nur an der Spitze hierarchischer Strukturen, auch der allerletzte Buddler war ein Mann. Egal, ob Altes Lager, Neues Lager, oder – hey, eindeutiger geht’s nicht – der Bruderschaft des Schläfers.

Die aktuelle Episode der Making-of-Reihe:

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von YouTube der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden.

Im Original-Spiel dienten luftig bekleidete Animierdamen etwa für Erzbaron Gomez bestenfalls als dekoratives Beiwerk. Sind aber fiktionale, von Männern dominierte Welten tabu? Nein, natürlich nicht. Aber bei Gothic wirkte das Wegfallen weiblicher Charaktere auf mich wie ein Denkfehler – keine stimmige Entscheidung. „Was passiert mit verurteilten Straftäterinnen in Khorinis?“, „Gibt’s nur die paar, welche Meister Y’Berion bespaßen?“, „Gibt’s eine zweite, magische Barriere nur mit Frauen?“, sind Fragen, die ich mir über die Jahre, nicht immer ernsthaft, gestellt habe.

Dass Alkimia Interactive weiblichen Charakteren jetzt eigene Quests verpasst hat, wie beim Pressetermin zugesichert wurde, begrüße ich daher nachdrücklich. Sicherlich wird auch Gothic Remake die Geschichte kerniger Knackis im Fantasy-Kleidchen erzählen, denn, ja, klar, das wird eben die Erwartungshaltung einer vermutlich männlichen Zielgruppe erfüllen, zu der ich mich selbst zähle. Aber weg davon – und hin zum Schlüssel fürs passende Schloss.

Der mit dem Dietrich dreht

Im originalen Gothic war das mit dem Schlösserknacken doch so: Man ruckelte so lange nach links und rechts im fraglichen Schloss herum, bis einem die Dietriche ausgingen – oder der Geduldsfaden riss. Aber ganz ehrlich: So sehr es mir vor über 20 Jahren eine diebische Freude bereitet hat, die richtige Links-Rechts-Kombination herauszufinden, genauso sehr begrüße ich es, dass Alkimia Interactive das Schlösserknacken in Gothic Remake modernisiert hat.

Eine Screenshot aus Gothic Remake, die den Gegnertyp Gobling zeigt.
Auf Augenhöhe werdet ihr den garstig-grünen Goblins nicht begegnen – schließlich sind die Burschen laufende Meter. Credit: THQ Nordic / Alkimia Interactive

Ob der Verzicht aufs eigene Erinnerungsvermögen beim Remake gestattet wird? Oder der beigelegte Notizzettel, um sich die bislang herausgefundene Kombination mitzuschreiben, den Dietrich-Verschleiß gering zu halten? Das weiß ich noch nicht. Was ich aber weiß, ist, dass in der mir gezeigten Version des Rollenspiels das Hantieren mit Dietrichen in der rechten, oberen Bildschirmhälfte von einer Grafik begleitet wurde. Diese zeigte – abhängig vom eigenen Skill-Level – mehr oder weniger Schloss-Ebenen, durch die man sich knobeln muss, bevor die Truhe der Wahl aufknackt, einem das Diebesgut ins Inventar wandert.

Die neue, visuell unterfütterte Schlösserknackerei wirkte während der Gameplay-Demonstration auf mich erstmal nutzer*innenfreundlicher, als die krude Mechanik des Originals. Und sonst so? Hat mich vor allem der aufgeschreckte, in den Himmel flatternde Rabenschwarm vor dem Eingang zum Alten Lager begeistert. Oder der Umstand, dass Alkimia Interactive sich das Feedback der Community nach dem Nyras Prolog zu Herzen genommen hat, jetzt nochmal mal beim Kampfsystem drüber gebürstet hat.

Kurzum: Ich kann Anfang 2026 kaum erwarten, dann nämlich wirft uns Gothic Remake zurück in die Kolonie – und wir dürfen einem Mud wieder „volles Pfund aufs Maul geben“, versteht sich.

Quellen: YouTube / @thqnordic

Gift this article